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Zwischenbericht aus Turku - Nursing exchange


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Verfasst am: 27. 01. 2014 [07:09]
HannahLena
Dabei seit: 26.01.2014
Beiträge: 1
Zwischenbericht Leonardo-Exchange program Turku, Finnland

Hei hei aus Turku!

Im Folgenden werdet ihr eine Zusammenfassung meines bisherigen Aufenhalts hier in Turku lesen, die einige Informationen zur Vorbereitungen enthält und eventuell ein paar Tipps, die euch helfen könnten. Vor allem aber wird es eine einfache Berichterstattung darüber sein, wie es mir und meinen Kurskameraden bis jetzt ergangen ist, da ich nicht zu weit vorgreifen möchte und keine Gebrauchsanweisung für euren Aufenhalt in Finnland erstellen kann und möchte.

Ich nehme an dem Exchange program im Rahmen des Leonardo-Projekts der Leibniz Universität Hannovers teil. Dieser Austausch ist ein Angebot der Krankenpflegeschule der Universitätsmedizon Göttingen, die ich jetzt im 2. Lehrjahr besuche. Neben mir haben noch fünf andere Schülerinnen meines Jahrgangs die Chance auf dieses Stipendium bekommen. Ausgewählt wurden wir per Losverfahren an unserer Schule, dann erst ging es an die richtige Bewerbung für das Stipendium. Unsere Lehrerin hat schon einige Jahre Erfahrung mit diesem Projekt, so hat sie alle Unterlagen für uns schon vorbereitet und wir mussten die entsprechenden Formulare nur noch ausfüllen. Das hat zwar einiges an Zeitaufwand gekostet, aber dieses Stipendium ist eben auch nichts, was einfach so verschenkt wird, sondern schon ein gewisses Maß an Bemühung und Motivation fordert, so betrachte ich die Zeitinvestition nur als gerechtfertigt.
Etwas unglücklich war allerdings die Handhabe mit der definitiven Zusage für das Stipendium aus Hannover. Der allgemeine Tonus an unserer Schule war, dass es eigentlich reine Formsache sei, dass wir die Gelder zur Verfügung gestellt bekommen- allerdings doch nicht so sicher als dass wir uns schon definitiv eine Unterkunft oder die Hinreise hätten organisieren können. Das mussten wir nämlich selber tun. Den Flug haben wir dann trotzdem schon relativ früh gebucht, ohne definitive Zusage, was allerdings später auch kein großes Problem gewesen wäre. Auch kurz vor unserer Abreise hätten wir auch noch Flüge von Frankfurt nach Turku für ca 280 € Buchen können (wir haben etw 220€ bezahlt).
Ein ziemlich großes und entscheidendes Problem stellte eher die Organisation einer Unterkunft dar. Die definitive Zusage kam erst Anfang November 2013, also zwei (!!) Monate vor Beginn des Stipendiums. Wir haben lange gesucht und einige Tage vor dem Pc und am Telefon verbracht, bis wir ein Dach über dem Kopf gefunden haben. Denn: Es gibt zwar einige Studentenwohnheime in Turku, die Mindestmietzeit beträgt aber ein Semster, also fünf Monate. Das wäre viel zu teuer gewesen. Die Schüler unserer Schule, die vorheriges Jahr in Turku waren, konnten uns nur ihre Unterkunft empfehlen - das Retrodorm, ein umgebautes Altenheim. Die haben uns allerdings nie auf unsere Anfrage geantwortet - wie sich herausstellte war dies für Januar und Februar komplett voll.
Eine Lösung bot uns schließliche eine unserer Tutorinnen. Sie war sehr bemüht und organisierte eine großes Apartement für uns sechs zusammen. Es ist perfekt für uns, zum einen weil es so viel Platz hat und zum anderen weil die Lage so zentral wie nur möglich ist. Wir wohnen direkt am Fluss und an Turkus Marktplatz, von wo aus alle Busse fahren und sich alles wichtige zufuß erreichen lässt. Wir bezahlen jeder 350€ Miete pro Monat und mussten 100€ Kaution hinterlassen. Die Firma, die es vermietet heißt "Forenom oy".

Doch bevor ich weiter auf unser Leben hier in Turku eingehe, noch etwas zur Vorbereitung:
Es empfiehlt sich wirklich einen Sprachkurs im Vorfeld zu machen. Es ist zwar eine unrealistische Vorstellung, sich auf Finnisch unterhalten zukönnen (es ist eine sehr komplizierte Sprache) - es wird sich hauptsächlich auf englisch belaufen- aber es ist immerhin sinnvoll, die Basics zu können. Wie etwa Begrüßung, Verabschiedung, Vorstellung der eigenen Person und ansonsten ein paar Floskeln zu kennen. Vor allem aber hilft einem der Kurs bei der kulturellen Vorbereitung. Man lernt etwas über das Land im Allgemeinen kennen, über kulturelle Begebenheiten und kann einige Tipps in Erfahrung bringen. Unsere Finnischlehrerin kam von der VHS Göttingen und hat extra für uns sechs einen eigenen, speziell auf uns zugeschnittenen Kurs gegeben. Sie kannte Turku auch selbst und so war das sehr hilfreich.
Desweiteren kann ich nur empfehlen sich online Banking einzurichten, da man ja in zwei Monaten doch einige Überweisungen zu tätigen hat und hier zwar viele Geldautomaten stehen, aber man dort keine Einsicht auf das Konto hat.
Außerdem wichtig ist natürlich warme Kleidung. Allerdings reicht es aus, sich neben Mütze, Schal und Handschuhen eine wirklich warme Jacke zu kaufen und Strumpfhosen unter den Hosen zu tragen. Nach ein paar Tagen hat man sich an die Kälte gewöhnt und Minus acht grad sind geradezu warm icon_wink.gif
Wenn ihr allerdings so wie wir plant, ein mal nach Lappland zu fahren, solltet ihr auch Skiunterwäsche sowie Schneehose und warme, schneefeste Stiefel mitnehmen.

Außerdem werden euch eure Tutoren vor eurer Anreise kontaktieren und ich kann euch nur raten, euch mit allen Problemen und Fragen an sie zu wenden. Sie sind dafür da, euch zu unterstützen und zu einem guten Start zu verhelfen und sind auch sehr bemüht und motiviert dies zu tun.

Wir sind von Frankfurt nach Helsinki geflogen und haben zwei Nächte im "Stadium Hostel" von Helsinki in einem Mehrbettschlafsaal übernachtet. Das war ziemlich stressig und eine Erfahrung, die wir nicht unbedingt hätten machen müssen, da Helsinki uns nicht wirklich sehr beeindruckt hat und die Aufregung, der Abscheidsschmerz und der Schlafmangel durch die zwei sehr lauten Nächte zusätzlich an den Nerven zerrten. Um so froher waren wir dann, als wir endlich in Turku, in unserem schönen Apartement angekommen sind. Wir haben uns hier ziemlich schnell eingelebt, was wir zum großen Teil auch unseren Tutoren zu verdanken haben, die uns nach unserer Fahrt mit dem Zug von Helsinki nach Turku sehr herzlich in Empfang genommen haben und uns auch durch unsere erste Woche begleitet haben. Sie stehen uns auch weiterehin immer für Fragen und Hilfe jder Art zur Verfügung. Wir haben mit der Uni in Turku allerdings nicht viel zu tun, da wir nur einen Orientierungstag mit anderen Austauschstudenten hatten und danach keine Kurse besuchen, sondern unser Praktikum im Altenheim und Ambulanter Pflege absolvieren.
Dennoch haben wir an unserem zweiten Abend in Turku gleich ein paar nette finnische Studenten kennengelernt, mit denen wir immernoch in Kontakt stehen und gemeinsam Unternehmungen starten.
Insgesamt fühlen wir uns hier in Turku sehr wohl und betrachten es als unser vorrübergehendes Zuhause. Dies liegt aber auch vor allem daran, dass wir uns sechs als Gruppe betrachten und uns so gut verstehen, dass wir viel- um nicht zu sagen alles- zusammen machen. Wir sind zusammen angereist, wir wohnen zusammen, unternehmen vieles zusammen etc. Dieser Zusammenhalt hilft uns sehr über Heimweh und andere Sorgen hinweg, die einen belasten können, wenn man in einem fremden Land für ungewohnt lange Zeit ist. Deswegen kann ich nur empfehlen, wenn man die Möglichkeit hat, als Gruppe zu reisen, dies auch zu tun und zu versuchen sich auf die anderen einzulassen und sich anzupassen. Wir kannten einander vorher auch nicht besonders gut und kommen super miteinander klar.


Was die Arbeit hier betrifftt lässt sich sagen, dass man es als das betrachten muss, als das es auch in den Dokumenten bezeichnet wird: Es ist ein Praktikum, nicht mehr und nich weniger. D.h. man wird hier nicht so praktisch arbeiten wie wir es aus unserer Ausbildung gewohnt sind. Zu mal liegt das natürlich an der schwierigen Kommunikation durch die fremde Sprache: Ich bin z.Z. in einem Altenheim eingesetzt, wo viele dementkranke Bewohner sind, denen man viel erklären muss und wo Kommunikation wie auch sonst in der Pflege das wichtigste überhaupt ist. Und wenn das durch Unkenntnis über die Sprache ausfällt, braucht man immer jemanden an seiner Seite, der übersetzt. Außerdem ist der Pflegealltag hier für jemanden, der normalerweise auf einer Station in einem deutschen Krankenhaus mit zwei Kollegen in einem Frühdienst für 28 Patienten zuständig ist, eine ganz andere Welt. Der Personalschlüssel hier in Finnland ist in der Regel deutlich höher als der in Deutschland und zunächst musste ich mich echt daran gewöhnen, dass hier Stress und Hektik kein Begriff ist, dass die Abläufe langsamer und ruhiger sind und man seine Arbeitszeit quasi mit den Bewohnern verbringt und nicht immer etwas zu erledigen hat. Aber es ist ja gerade der Sinn und Zweck dieses Austausch auch mal andere Pflegealltage kennen zu lernen und vielleicht auch etwas von der Gelassenheit der finnischen Pflegekräfte in den heimischen Pflegealltag mitzunehmen. Die Atmosphäre an meinem Arbeitsplatz ist sehr angenehm, es sind alle sehr freundlich, bemüht um mich und interessiert daran, dass ich hier eine gute Praktikumszeit verbringe. Ich habe jetzt noch eine Woche im Altenheim vor mir, dann tauschen wir und ich werde die restlichen drei Wochen in der ambulanten Pflege verbringen.

Ich freue mich auf die nächsten Wochen hier in Turku und hoffe, dass wir überhaupt alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben ( Schlittschuh fahren, einen Nationalpark besuchen, mit dem Schiff nach Stockholm, nach Lappland fahren, Eisloch- Baden etc.) ! icon_wink.gif


Hannah



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Letzte Änderung: 29.06.2015