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Zwischenbericht Turku


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Verfasst am: 28. 01. 2014 [13:15]
LindaHOF
Dabei seit: 26.01.2014
Beiträge: 1
Zwischenbericht Turku/Finnland

Finnland, oder in der Landessprache Suomi genannt, ist seit drei Wochen für insgesamt zwei Monate mein neues Zuhause auf Zeit. Bereits vor einigen Jahren verspürte ich das Interesse, dieses Land einmal bereisen zu wollen oder besser noch: Für längere Zeit hier zu wohnen und zu arbeiten, die Menschen kennenzulernen und neue kulturelle Impressionen zu bekommen. In Deutschland hörte ich oft davon, dass die Finnen in der Pisa Studie sehr gut und europaweit am besten abgeschnitten haben, dass das Bildungssystem in Finnland viel besser als in Deutschland sein soll, dass Finnland ein besseres Gesundheitssystem habe und dass in Finnland irgendwie alles besser läuft als in meinem Heimatland. Außerdem wurde ich mit Gerüchten konfrontiert: Die Finnen reden nicht viel, die Finnen trinken viel Alkohol, die Finnen gehen immer in die Sauna, die Finnen lieben Metalbands… Und so weiter, und so fort. Diese Kombination aus Tatsachen der finnischen Politik und wagen Gerüchten über die finnische Mentalität weckte mein Interesse. Ich wurde neugierig auf dieses Finnland und ich wollte endlich etwas Neues erleben, was ich noch nicht kannte. Denn in Finnland war ich vor meinem jetzigen Aufenthalt noch nicht.
Ich, das ist übrigens Linda H. aus Göttingen, seit September 2012 Krankenpflegeschülerin an der Universitätsmedizin Göttingen. Bereits bei meinem Bewerbungsgespräch erfuhr ich von der Möglichkeit, mich in meiner Ausbildung für ein mehrwöchiges Auslandspraktikum im Rahmen eines Stipendiums des Leonardo Projekts zu bewerben. Als ich dann meinen Ausbildungsvertrag in der Tasche hatte, bestand die Möglichkeit sich für Finnland, Österreich oder die Schweiz zu bewerben. Natürlich habe ich nicht lange überlegt: Ich wollte nach Finnland. Meine Kursleitung traf Ende des Jahres 2012 eine Auswahl an Schülerinnen, die sich an der Universität Hannover für das Stipendium bewerben durften und glücklicherweise war ich auch unter den Kandidaten. Meine Freude war natürlich riesig! Im Jahr 2013 folgten dann viele Treffen mit den anderen Bewerberinnen und unserer Lehrerin, die uns unterstützt und betreut hat. Wir mussten viele, viele Bewerbungsformulare ausfüllen, auf Deutsch und auf Englisch. Nach einigen Wochen bekamen wir weitere Formulare, die ebenfalls ausgefüllt und bearbeitet werden mussten. Meine Mitbewerberinnen und ich absolvierten einen Finnisch Kurs und versuchten in dem ganzen Organisationsstress nichts zu übersehen oder zu vergessen. Im November 2013 bekamen wir dann endlich alle die finale Zusage, dass wir sechs zusammen für zwei Monate nach Finnland fahren können. Also kümmerten wir uns um eine Wohnung und um den Flug und begannen neben dem Weihnachtsstress alle Reisevorbereitungen zu erledigen.
Am 03.01.14 ging es dann los: Der Flug von Frankfurt nach Helsinki. In Helsinki gelandet, suchten wir unser Hostel auf. Im 12-Bett Zimmer gingen wir abends erschöpft ins Bett um uns von dem Flug und der Zugfahrt zu erholen. Nachdem wir uns Helsinki ein bisschen angeguckt hatten, sind wir dann zwei Tage später mit dem Zug nach Turku gefahren. Am Bahnhof wurden wir herzlich von unseren Tutor Studentinnen empfangen und zu unserer neuen Wohnung begleitet. Als ich dann das erste Mal unser neues Heim sah, viel alle Anspannung der Reise von mir ab. Denn unsere wunderschöne Wohnung ist groß, hell und liegt mitten im Zentrum von Turku. Ein echter Glücksgriff! Und ein aufregendes Projekt: Sechs deutsche Krankenpflegeschülerinnen zusammen in einer WG in Finnland… In der ersten Woche unseres Aufenthalts haben wir an vielen Informationsveranstaltungen der Universität teilgenommen. Uns wurde viel erklärt und gezeigt und berichtet, wir haben viele neue Leute kennengelernt und einen ersten Eindruck von Turku bekommen. Die Verständigung auf Englisch hat super funktioniert und es gab keine wirklichen Sprachprobleme. In der zweiten Woche hat dann mein Einsatz im ambulanten Pflegedienst begonnen. Meine Tutor Krankenschwester Camilla hat mich herzlich empfangen und mir alles gezeigt. Sie war und ist sehr bemüht mir etwas über das finnische Gesundheits- und Pflegesystem beizubringen und ich habe schon viel von ihr gelernt. Die ambulante Pflege ist hier auch ganz anders organisiert als in Deutschland. Die eigentliche Körperpflege der Patienten führen hier Pflegehelfer durch. Die Krankenschwestern planen und organisieren die Pflege, stehen in Kontakt mit den Angehörigen, den Ärzten und den Sozialarbeitern. Sie haben also ein Arbeitsfeld, das weit über die eigentliche Pflege hinausragt. Dieses Konzept erscheint mir bisher als sehr sinnvoll. Zumal die ambulante Pflege hier so gut besetzt ist, dass wir immer genug Zeit für unsere Patienten haben und nicht permanent im Stress sind. So macht die Arbeit viel mehr Spaß! Ich werde nun noch eine Woche im ambulanten Pflegedienst arbeiten, anschließend werde ich in ein Altenheim wechseln.
Natürlich habe ich hier auch ein Leben nach der Arbeit. In Finnland gibt es viel zu entdecken! Turku ist eine schöne Stadt mit vielen jungen Leuten. Meine Kolleginnen und ich haben die Stadt bereits in der ersten Woche erkundet und uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angeschaut. Bei herrlichsten Sonnenschein und -20° kann man hier auch ausgedehnte Spaziergänge an der Aura (Turkus Fluss) unternehmen. Unsere finnischen Bekannten haben uns auch schon zum Saunieren eingeladen, was man in Finnland unbedingt mal gemacht haben sollte. Wir haben auch die Umgebung erkundet, zum Beispiel die Insel Ruissalo, die direkt vor Turku liegt und auf der man gut wandern kann. Unter anderem auch über die zugefrorene Ostsee. Die Winterlandschaft ist schön und naturbelassen. Ich habe den Eindruck, dass die Finnen ein deutlich ausgeprägteres Umweltbewusstsein haben, als wir Deutschen. Und was das Klischee angeht, die Finnen hören so viel Heavy Metal Musik: Es stimmt. Ich habe hier schon einige sehr gute Konzerte besucht und festgestellt, dass die etwas härtere Gitarrenmusik hier deutlich populärer ist als in Deutschland. Das ist hier einfach üblich.
Für die nächsten Wochen haben meine Kolleginnen und ich einen Ausflug in einen finnischen Nationalpark, sowie eine Reise nach Lappland geplant. Zudem bin ich gespannt, wir mein Arbeitsplatz im Altenheim aussehen wird. Des Weiteren freue ich mich auf viele, gemütliche Abende hier mit meinen neuen finnischen Bekannten. Mein Fazit zur (fast) Halbzeit: Die meisten Klischees, die ich über die Finnen gehört habe, haben sich bestätigt. Jedoch schließt dies nicht aus, dass ich hier bisher von allen offen und herzlich willkommen geheißen wurde, wirklich gute Gespräche und Diskussionen führen konnte und viel Spaß hatte.



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Letzte Änderung: 29.06.2015