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Zwischenbericht Praktikum als Assistenzlehrerin in Joensuu, Finnland


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Verfasst am: 05. 04. 2015 [12:54]
MarinaSee
Dabei seit: 22.03.2015
Beiträge: 1
Hallo und Moi,

ich bin Marina und lebe mittlerweile seit einem Monat in Joensuu, der größten Stadt im Osten Finnlands. Hier arbeite ich als Assistenzlehrerin an einer Grundschule in Karsikoo, ein kleiner Vorort, der ca. 2 km von Joensuu entfernt liegt.
In Deutschland habe ich Mathematik und Sport auf Lehramt studiert, wodurch für mich relativ schnell feststand, dass ich gerne einmal eine Schule in einem der skandinavischen Ländern besuchen und näher kennenlernen möchte. Denn nicht nur aufgrund der sehr guten PISA Ergebnisse bietet das Schulsystem hier einen interessanten und neuen Anlaufpunkt. Das es letztendlich Finnland geworden ist, war mehr ein Zufall.

Praktikumssuche:

Da ich wusste, dass ich Anfang 2015 meinen Master of Education erfolgreich beenden werde, um dann im darauffolgenden Sommer in den Vorbereitungsdienst zu gehen, lag der Zeitraum des Praktikums für mich schnell auf der Hand. Stellte sich nun nur noch die Frage, wie ich Kontakt zu einer Schule in einem der skandinavischen Länder herstellen konnte. Durch den Wegfall des Projektes „Comenius“ war dieses eine kleine Herausforderung. Ich suchte Stunden über Stunden im Internet nach möglichen Schulen und habe mich erst einmal an den Deutschen Schulen in Helsinki, Oslo und Stockholm beworben. Glücklicherweise habe ich eine Freundin, die im Jahr 2013 noch mit Comenius ein Praktikum an einer Schule in Finnland gemacht hat und während dieser Zeit viele andere Assistenzlehrkräfte aus Europa kennengelernt hat. So konnte sie mir einen Kontakt zu einem polnischen Assistenzlehrer herstellen, der sein Praktikum genau an meiner jetzigen Schule absolviert hat. Dieser gab mir die Kontaktdaten der Englischlehrerin, die ich somit angeschrieben habe und über diese ich mich dann letztendlich für eine Stelle als Assistenzlehrerin bewerben konnte. Relativ schnell bekam ich eine positive Rückmeldung der Schule, wodurch feststand, dass ich nach Joensuu in Finnland gehen werde. Letztendlich kann man sagen, dass das ganze mehr über Zufälle geschehen ist als durch strukturierte und vorgegebene Wege.

Praktikumsvorbereitung:

Da ich mich bereits im Mai 2014 für das Praktikum beworben und auch nach zwei Wochen eine Bestätigung bekommen habe, hatte ich genügend Zeit mich auf den Aufenthalt in Finnland vorzubereiten. So habe ich sehr viel über das Land, die Finnen und das allgemeine Leben hier im Internet und in Reiseführern gelesen. Des Weiteren stand für mich sehr schnell fest, dass ich einen finnischen Sprachkurs machen möchte. Durch einen Umzug Ende 2014 in Deutschland war es jedoch nicht möglich diesen vorab zu belegen, wodurch ich mich entschied die Sprache während des Aufenthaltes zu „lernen“. Neben der Abklärung einer Auslandskrankenversicherung stand zusätzlich die Suche nach einer Unterkunft an erster Stelle. Dabei war mir meine finnische Betreuerin und Englischlehrerin eine große Hilfe, die mir mein jetziges Zimmer in der „Riverside Residence“ mitten in der Stadt besorgt hat. Ich kann nur grundsätzlich sagen, dass man sich so früh wie möglich um ein Zimmer / eine Wohnung kümmern sollte, denn hier in Joensuu sind sehr viele Studenten und dadurch die Wohnungslage sehr angespannt.

Anreise und Unterkunft:

Nachdem ich nach mehreren unterschiedlichen Flügen gesucht habe, bin ich schlussendlich von Amsterdam (meine Eltern wohnen in der Nähe der holländischen Grenze) nach Joensuu mit Zwischenstopp in Helsinki geflogen. Es war zwar nicht die günstigste Variante, aber auf jeden Fall die entspannteste  Günstige Flüge gibt es beispielsweise von Ryanair, die nach Tampere fliegen. Von dort aus kann man mit dem Zug nach Joensuu fahren. Des Weiteren ist es auch möglich nur nach Helsinki zu fliegen und von dort ebenfalls ca. 4 ½ Stunden mit dem Zug zu fahren. Der Flughafen in Joensuu liegt ca. 15 Minuten außerhalb der Stadt, die Busstation mitten in der Stadt.
Am Flughafen wurde ich von Pia, meiner Betreuerin, abgeholt und wir sind zusammen in die Stadt und zur Riverside Residence gefahren. Mein Zimmer liegt im 7. Stock, wodurch ich einen wunderschönen Blick auf die Stadt habe. Ich habe ein eigenes Badezimmer und einen Balkon, die Küche wird mit allen anderen internationalen Studenten geteilt.

Die ersten Wochen: Einleben und Praktikum

Direkt in den ersten Tagen habe ich mich um einen Sprachkurs gekümmert, ganz einfach übers Internet und dann vor Ort nachgefragt. Leider gibt es für völlige Neueinsteiger nicht sehr viele Kurse, sodass ich nun in einen, der schon seit Februar läuft, eingestiegen bin.
Von montags bis freitags bin ich jeden Tag von 08:00 Uhr bis ca. 13:00 Uhr in der „Karsikon koulu“. Ich könnte mit dem Bus dorthin fahren, habe mich aber dazu entschieden die Strecke zu Fuß zu gehen, so bin ich jeden Morgen wach und betreibe zusätzlich etwas Fitness  „Karsikon Koulu“ ist eine primary school, die die Klassen 1 – 6 umfasst und zusätzliche „Special Education Needs Classes“ plus eine „Pre-School-Class“ hat. So gehen auf diese Schule insgesamt ca. 270 Schüler, die von 25 Lehrkräften und zusätzlichen Assistenzen unterrichtet werden. In den ersten zwei Wochen fand eine sogenannte Eingewöhnung statt, während der ich mir viele unterschiedliche Stunden und Fächer (Englisch, Mathematik, Deutsch, Sport, Musik, Werken, etc.) anschauen durfte, die Schüler kennenlernen konnte und einen Einblick in die alltäglichen schulischen Abläufe und Strukturen erhalten durfte. Obwohl die Unterrichtssprache natürlich finnisch ist, habe ich bereits in den ersten Tagen viele neue und gegensätzliche Aspekte zum deutschen Schulsystem entdeckt und festgestellt. Des Weiteren sprechen alle Lehrer Englisch und auch die Schüler sind, obwohl sie erst ab der 3. Klasse Englischunterricht haben, bereits in der 4./5./6. Klasse dazu fähig, Englisch größtenteils zu verstehen. Ab der dritten Woche habe ich einen festen Stundenplan erhalten, den ich zusammen mit Pia erstellt habe. Dieser umfasst sowohl festgelegte Stunden und Fächer innerhalb der Woche, jedoch ebenso für mich frei auswählbare Alternativen. Zum größten Teil assistiere ich in den Englischstunden der Klassen 3 – 6 und nehme an verschiedenen Sportstunden teil. Insbesondere hier ist es sehr gut umsetzbar, den Unterricht auf Englisch zu halten. Durch Demonstrationen und Zeigen von Spielen, Übungen und Aufgaben plus eine Übersetzung der Lehrkräfte ins finnische ist eine Kommunikation mit den Schülern möglich und effektiv. So unterrichte ich beispielsweise jede Woche drei Stunden Sport in der 4. Klasse und übernehme das Auf- bzw. Abwärmen im Sportunterricht der 2. Klasse. Des Weiteren besuche ich jede Woche einige Mathematikstunden, die für mich als zukünftige Mathematiklehrerin natürlich sehr interessant sind.

Grundsätzlich kann ich bereits nach den ersten vier Wochen sagen, dass es die beste Entscheidung im letzten Jahr war, mich für dieses Praktikum zu bewerben. Neben der allgemeinen Auslandserfahrung, den vertiefenden Englischkenntnissen und grundlegenden Aspekte der finnischen Sprache werde ich insbesondere im Bezug auf Schule sehr viel für die Zukunft mitnehmen und intensivieren können.



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Letzte Änderung: 29.06.2015