Leonardo Forum

Unbeantwortetes Thema

Zwischenbericht Praktikum an einer Schule in Tampere


Autor Nachricht
Verfasst am: 25. 03. 2016 [08:21]
Amelia
Dabei seit: 20.03.2016
Beiträge: 1
Hallo und Moi,
ich bin Amelia und lebe jetzt seit einem Monat in Tampere, der drittgrößten Stadt in Finnland. Hier mache ich ein Praktikum an der Grundschule „Raholan Koulu“. In Deutschland studiere ich im 3. Mastersemester Sonderpädagogik auf Lehramt und Deutsch als Unterrichtsfach.
Während meines Studiums wollte ich gerne noch eine Auslandserfahrung machen. Nachdem ich hin und her überlegt habe, ob ich ein Auslandssemester an einer Universität oder ein Auslandspraktikum an einer Schule machen möchte, habe ich mich dazu entschieden, durch ein Praktikum Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Dabei hat mich vor allem Finnland und der sonderpädagogische Bereich im finnischen Schulsystem interessiert. Da meine Mutter aus Finnland kommt und wir dort Verwandte haben, kann ich Finnisch sprechen. Durch ein Praktikum in Finnland wollte ich außerdem meine Finnischkenntnisse auffrischen und verbessern. Außerdem wollte ich gerne einmal länger in Finnland sein, um das Land und die Kultur noch besser kennenlernen zu können. Somit sprachen viele Aspekte für ein Praktikum in Finnland.

Praktikumssuche
Zu Beginn habe ich mich im Internet über Praktika in Finnland informiert und bin dadurch auf ein Praktikumsangebot des Goethe Institutes gestoßen. Nachdem ich jedoch erfahren habe, dass diese Art von Praktikum nicht über das Erasmus+ Programm gefördert werden kann, habe ich mich bei der „Raholan Koulu“ für ein Praktikum beworben, da mir die Schule durch Kontakte in Finnland empfohlen worden ist. Da mein Entschluss, ein Praktikum in Finnland zu machen, sehr spontan kam, musste nun alles schnell gehen. Nachdem ich mich bei der Schule beworben habe, habe ich schon in derselben Woche eine Zusage bekommen und so stand mein Praktikum in Tampere an der „Raholan Koulu“ fest.

Praktikumsvorbereitungen
Nachdem ich die Zusage für das Praktikum bekommen habe, habe ich mit meiner Mentorin, einer Sonderpädagogin, mein Praktikum per E-Mail besprochen und wir haben Aufgabenbereiche besprochen, die ich während des Praktikums kennenlernen kann und übernehmen könnte. So hatte ich durch die Erstellung des Learning Agreement für meine Bewerbung für das Stipendium bereits viel Kontakt mit meiner Ansprechpartnerin und Mentorin.
Außerdem musste ich mich um eine Auslandskrankenversicherung und um eine Unterkunft kümmern. Eine Unterkunft konnte ich im Internet über ein Forum für Studenten in Tampere finden. Bei der Wohnungssuche hatte ich Glück und fand schnell ein Zimmer in einer zweier WG für den Zeitraum von März bis April direkt in der Innenstadt von Tampere. Für mich stand fest, dass ich ein Zimmer in einer WG haben möchte, um dadurch eventuell neue Kontakte knüpfen zu können. Außerdem ist es natürlich sehr viel günstiger als eine Einzimmerwohnung. Generell ist die Wohnungssuche jedoch nicht ganz einfach und es lohnt sich früh genug nach einer Wohnung oder einem Zimmer zu suchen. Außerdem habe ich mich versucht sprachlich auf meinen Aufenthalt in Finnland vorzubereiten, in dem ich Serien und Filme auf Finnisch geguckt habe und finnische Zeitschriften und Bücher gelesen habe. Im Internet habe ich mich außerdem im Voraus darüber informiert, was es für Freizeitangebote in Tampere gibt, die ich eventuell während meines Aufenthaltes machen könnte. Da Tampere eine der größeren Städte in Finnland ist, gibt es hier viele verschiedene Möglichkeiten die eigene Freizeit zu gestalten.

Anreise und Unterkunft
Mitte Februar bin ich von Hamburg aus über Stockholm nach Helsinki geflogen. Im Winter ist Tampere mit dem Flugzeug schlechter zu erreichen. Im Sommer ist es jedoch möglich von Bremen direkt nach Tampere zu fliegen. In Helsinki habe ich dann eine Freundin besucht und bin dort für eine Nacht geblieben. Am nächsten Tag bin ich dann mit dem Zug nach Tampere.
Die ersten zwei Wochen habe ich bei meiner Tante und meinem Onkel gewohnt, die in einem Vorort von Tampere wohnen, da ich das Zimmer in der WG erst ab März mieten konnte. Ich bin eine Woche bevor das Praktikum angefangen hat bereits nach Finnland gekommen, um mich ein bisschen einleben und in die Sprache reinkommen zu können. Die erste Woche war sehr entspannt und es war schön meine Verwandten wieder zu sehen. Anfang März bin ich dann in das WG-Zimmer in der Stadt gezogen.

Die ersten Wochen in Tampere und im Praktikum
Nachdem ich mich eine Woche lang schon ein bisschen einleben und in Tampere ankommen konnte, ging es am Montag dann mit meinem Praktikum in der Schule los. Die Grundschule umfasst einen Regelschulbereich, in dem zwei Sonderpädagoginen arbeiten und zusätzlich einen Förderschulbereich, in dem die Klassen kleiner sind und nur Kinder mit Förderbedarf sind. Beide Bereiche arbeiten jedoch auch zusammen und sind im Gebäude miteinander vernetzt. Meine Mentorin arbeitet im Regelschulbereich und gibt dort vor allem in den unteren Klassen Förderunterricht. Sie hat einen eigenen Klassenraum, in dem Kleingruppenförderung stattfindet und außerdem ist sie teilweise in den Klassen der Kinder im Unterricht dabei. Die erste Woche war vor allem eine Kennenlernwoche und mir wurde das Schulgebäude gezeigt und das System der Schule erklärt. In der ersten Woche habe ich vor allem den Förderunterricht meiner Mentorin und bereits die meisten Kinder, die sie unterrichtet und fördert, kennengelernt. Außerdem konnte ich mir den Unterricht in einzelnen anderen Klassen angucken und habe auch den Förderunterricht von der zweiten Sonderpädagogin im Regelschulbereich kennenlernen können. Zusätzlich habe ich die Deutschlehrerin kennengelernt und war in ihrem Unterricht dabei. Am Ende der Woche haben wir mir dann einen „Stundenplan“ erstellt, an dem aber im Laufe der Zeit, wenn ich möchte, immer noch was geändert werden kann. Außerdem haben wir schon überlegt, was ich an Aufgaben und Förderungen übernehmen könnte. So bin ich hauptsächlich in dem Förderunterricht meiner Mentorin dabei, bin aber außerdem in drei Klassen im Deutsch-Unterricht dabei und bei der zweiten Sonderpädagogin im Regelschulbereich auch für einzelne Stunden in der Woche. In einer Klasse im Förderschulbereich habe ich auch hospitiert und werde dort nun auch ungefähr einmal die Woche sein.
Im Kleingruppenunterricht habe ich in verschiedenen Stunden in der Woche auch eigene Einheiten, die ich übernehme. Der Kleingruppenunterricht findet dann meist in der Form von Stationenlernen statt und ich übernehme dabei eine Station, plane diese und führe sie durch. So fördere ich Kinder aus der ersten Klasse im Lesen und auch im Matheunterricht habe ich in einzelnen Gruppen eine eigene „Station“, bei der Inhalte wiederholt und geübt werden. Außerdem habe ich schon zweimal den Kleingruppenunterricht für die Erstklässler übernehmen können. Meine Planungen bespreche ich vorher mit der Lehrerin und sie hat mir viele verschiedene Materialien gezeigt, die ich nutzen kann, und gibt mir zusätzliche Ideen und Anregungen und unterstützt mich in meiner Planung.
Durch die Durchführungen von Leseüberprüfungen in verschiedenen Klassen, die meine Mentorin durchgeführt hat, habe ich auch einen Lesetest und dessen Durchführung und Auswertung bereits kennengelernt. Durch diese ganzen Eindrücke und Erfahrungen, die ich bereits gesammelt habe, habe ich schon einen Einblick in das finnische Schulsystem und vor allem in die Art der sonderpädagogischen Förderung an der Schule bekommen können. Das Praktikum verläuft sehr gut und es macht Spaß sich durch eigene Ideen und Durchführungen von Förderungen in den Unterricht einbringen zu können und gleichzeitig ein anderes System kennenlernen zu können.

In meiner Freizeit bin ich durch meine Verwandten und Kontakte, die ich bereits vor Beginn meines Auslandsaufenthaltes durch meine vorherige Verbindung nach Finnland hatte, gut vernetzt und habe schon viele neue und schöne Sachen erleben können. So war ich zum Beispiel schon zweimal in Helsinki und konnte in Tampere schon auf dem zugefrorenen See Schlittschuhlaufen und die älteste öffentliche Sauna der Stadt besuchen, was ein besonderes Erlebnis war. Außerdem besuche ich einen Yogakurs. Eigentlich wollte ich gerne einen Sprachkurs anfangen, jedoch sind viele Sprachkurse bereits seit Januar am Laufen und so habe ich mich dazu entschieden einen oder eine Tandempartner_in zu suchen.

Generell gibt es in Tampere viel zu erleben und gerade zu dieser Jahreszeit finde ich es sehr schön hier zu sein. Es liegt noch Schnee und die Seen sind zugefroren, wodurch ich persönlich schöne winterliche Erfahrungen machen konnte, die in Hannover nicht so einfach zu erleben sind. Auch die Erfahrungen, die ich bereits im Praktikum machen konnte, sind sehr positiv und es ist sehr interessant ein anderes Schulsystem mitzubekommen und die Möglichkeit zu haben, Vergleiche zwischen verschiedenen Schulsystemen machen zu können. Das sind, denke ich, alles Erfahrungen, die sehr wertvoll sind. Ich bin sehr froh, dass ich mich für das Praktikum in Finnland entschieden habe. Auch wenn ich das Land bereits schon kannte und bereits einen Bezug zu der Kultur hatte, konnte ich viele neue Erfahrungen machen und viele neue Entdeckungen der finnischen Kultur und in dem Leben hier machen.



Benutzeranmeldung

Bitte Benutzernamen und Passwort eingeben, um sich im Leonardo Forum anzumelden. Um Beiträge LESEN zu können, ist KEINE Anmeldung erforderlich!

Hinweis

Jeder Beitrag wird vom Leonardo Team kontrolliert und erst danach freigeschaltet. Sie erhalten keine Bestätigungsmail darüber, dass ihr Bericht akzeptiert wurde. Ob der Bericht akzeptiert wurde, lässt sich über den jeweiligen Ordner ihres Ziellandes prüfen. Ist der Bericht angenommen worden, befindet er sich in der Regel eine Woche nachdem Sie ihn hochgeladen haben im Ordner ihres Ziellandes. Die Inhalte der Beiträge macht sich das Leonardo Team nicht zu eigen, sie spiegeln auch nicht dessen Meinung wider. Außerdem behält sich das Leonardo Team vor, Beiträge aus dem Forum zu entfernen, die rechts- oder sittenwidrig sind oder das Ansehen der Leibniz Universität Hannover und ihrer Einrichtungen beschädigen.

Letzte Änderung: 29.06.2015