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Zwischenbericht aus Turku, Nursing Student


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Verfasst am: 10. 04. 2017 [19:47]
panik
Dabei seit: 10.04.2017
Beiträge: 1
Zwischenbericht, Finnland, Turku März bis Mai 2017

Auf die Idee nach Turku in Finnland zu gehen, um ein Auslandspraktikum im Rahmen unserer Krankenpflegeausbildung zu machen, kamen wir vor allem durch unsere Schule in Göttingen, welche schon seit vielen Jahren ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu der Universität Turku führt und es fast jedes Jahr einigen Schülern im zweiten Ausbildungsjahr ermöglicht wird, zwei Monate im praktischen Einsatz dort zu verbringen. Dieses Jahr sind wir zu fünft.
Um den Praktikumsplatz zu bekommen, mussten wir uns erstmal an der Universität Turku im Bereich Krankenpflege bewerben. Voraussetzung dafür war es, verschiedene Dokumente auf englisch anzufertigen und diese auf einer Internetseite der Uni hochzuladen. Des Weiteren druckten wir uns ein sogenanntes ,,Learning Agreement“ aus, in welchem alle Informationen zu unseren Tätigkeiten und Aufgaben festgehalten worden sind. Dieses wurde per Post nach Finnland geschickt, dort unterschrieben und dann kam es auf dem selben Weg wieder zurück zu uns und wir reichten es mit allen Unterschriften bei Erasmus in Hannover ein, zusammen mit anderen Bewerbungsunterlagen.
Derweil fand noch ein Interview über Skype mit Taina Nordgren, der Koordinatiorin für Praktikanten aus dem Ausland an der Universität Turku, statt, um sicherzugehen, dass unsere Englischkenntnisse ausreichen. 
Einen Finnischsprachkurs zu finden war nicht einfach, aber an der Volkshochschule in Göttingen bekamen wir die Möglichkeit. Wir hatten viel Glück mit unserer Lehrerin. Sie hat selber zum Teil in Turku studiert und kennt sich in der Stadt und ganz Finnland sehr gut aus. Über sie bekamen wir Kontaktadressen für unsere Wohnung, Informationen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, viele Reisetipps und Informationen zu allem anderen, was wir sie fragten.
Am 25.03.2017 ging es dann endlich morgens um 2:30 Uhr los.  Wir fuhren von Göttingen nach Berlin, um dort unseren Flug um 8:55 Uhr zu bekommen. Gegen 12 Uhr Ortszeit landeten wir dann in Helsinki. Die erste Nacht blieben wir dort, um die Zeit zum Besichtigen der Stadt zu nutzen. Dies taten wir auch zum einen zu Fuß, aber auch mit den Straßenbahnlinien 2 und 3, die eine Schleife um die Innenstadt fahren. 
Am Sonntag den 26.03. fuhren wir gegen Mittag in Helsinki mit dem ,,Onnibus“ ab und wurden in Turku von zwei unserer Tutoren abgeholt. Diese holten mit uns gemeinsam die Schlüssel zu unserer Wohnung, brachten uns mit unserem übergewichtigen Gepäck dort hin und fuhren mit uns einkaufen. 
Wir entschlossen uns, bei der Unterbringungsfrage dazu, eine gemeinsame Wohnung zu mieten und nicht wie sonst üblich in ein Studentenwohnheim zu gehen. Aufgrund unserer Schichtarbeit und der Tatsache, dass wir nur für acht Wochen in Turku sein werden und nicht wie andere Studenten aus dem Ausland für ein ganzes Semester bleiben, wäre es schwierig gewesen Zimmer zu finden. 
Bei unserer Wohnung handelt es sich um eine vollständig möblierte Dreizimmerwohnung mit sechs Betten und einer kleinen Küche mit einem Tisch und Bänken, die ebenfalls als Gemeinschafts- und Aufenthaltsraum dient. Sie liegt ca. 2 km von dem Universitätsgelände entfernt und 5 km vom Kauppatori, dem Marktplatz mit der Zentralen Busstation in der Innenstadt. Die Infrastruktur ist ausgesprochen gut. Wir können uns Monatskarten zum Studentenpreis kaufen und etwa alle 7 Minuten fährt ein Bus Richtung Innenstadt und von dort aus überall hin.
Die erste Woche durften wir noch nicht arbeiten, da wir alle in Turku einen MRSA Test machen mussten, ohne dessen negativen Befund wir hier nicht hätten arbeiten dürfen. Um sicherzugehen, haben wir alle in Deutschland schon einmal kurz vor unserer Abreise einen gemacht.
Am Montag sind wir mit Taina Nordgren zu einem Treffen verabredet gewesen, bei dem sie uns noch einige Informationen gab und mit uns einige Dokumente ausfüllte, wie z.B. eine Schweigepflichtserklärung und die Dokumente für die Busfahrkarte. Den Rest des Tages nutzten wir, um die Stadt ein wenig zu erkunden.
Am Dienstag hatten wir ein Treffen mit einer Lehrerin des dortigen Krankenpflege Studiengangs. Sie teilte uns endlich mit, wo wir eingesetzt werden und gab und alle noch fehlenden Informationen, die wir zum arbeiten brauchten. 
Den Rest der Woche verbrachten wir damit, schon einmal die Wege zu unseren Einsatzorten kennen zu lernen, unsere Praktikumsplätze sind alle über die Stadt verteilt. Des Weiteren machten wir eine Stadtführung mit unseren Tutoren und lernten das studentische Nachtleben ein wenig kennen. Auch ein Saunabesuch mit Abkühlung in einem drei Grad kalten See war Teil unseres selbst erstellten Wochenprogramms. Außerdem hatten wir Zeit, die Fähre über Nacht nach Stockholm zu nehmen und dort einen Tag zu verbringen, um abends mit einer Fähre wieder zurück zu fahren. Die Stadt ist auch bei regnerischem Wetter wunderschön.
Am Montag der zweiten Woche begann ich dann mit meinem ersten dreiwöchigen Einsatz im Kaskenlinnan Sairaala auf einer Rehabilitationsstation, welche vor allem sehr alte, oft weit über 80 Jahre alte Patienten behandelt, die aufgrund ihres Ernährungszustandes oder körperlicher Einschränkungen nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht nach Hause entlassen werden können. Die Patienten bleiben meist für 20 Tage und werden oft ,,aufgepäppelt“ oder von Physiotherapeuten in der Wiederherstellung der körperlichen Fähigkeiten oder Ausbildung neuer körperlichen Fähigkeiten unterstützt. 65% werden anschließend nach Hause entlassen und für die anderen Patienten wird ein Platz in einem Pflegeheim gefunden.
Auch wenn mir die Arbeit hier persönlich sehr viel Spaß macht, ist es mit der Kommunikation mit den Patienten bisher nicht besonders einfach gewesen. Man verständigt sich mit den paar finnischen Wörtern, die man kennt und Zeichensprache. Meine Bezugspersonen sprechen aber alle gut Englisch, sodass dadurch viele Probleme gelöst werden können. Sie betreuen mich sehr gut. Da ich mich für den Nachtdienst in diesem Krankenhaus interessierte, habe ich bereits in meiner ersten Woche zwei dieser abgeleistet. Es war ein sehr angenehmes arbeiten, auch weil wir zu dritt waren, und ich hatte gute Möglichkeiten, in Ruhe mit meiner Bezugsperson etwas finnisch zu üben.
Insgesamt gefällt es mir sehr gut. Die Arbeit ist nach meinem Geschmack und wir haben relativ viel Zeit hier nebenbei, noch das eine oder andere von Finnland zu sehen. Ich gehe gespannt in die letzten sechs Wochen.



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Letzte Änderung: 29.06.2015