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Zwischenbericht Turku - Nursing student


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Verfasst am: 10. 04. 2017 [20:42]
Huenychan
Dabei seit: 10.04.2017
Beiträge: 1
Hei! Tervetuola Suomi!
…Herzlich Willkommen in Finnland!

Nicht umsonst trägt Finnland den Namen „Das Land der tausend Seen“.
Die Vielseitigkeit Finnlands ist überwältigend. Man sagt, dass im Sommer die finnische Landschaft von zwei Farben dominiert wird: grün und blau.
Die Waldlandschaft ist mit Wasserflächen gesprenkelt und umgekehrt.
Andererseits naht nach dem endlosen Sommer der dunkle Winter mit den zauberhaften Nordlichtern (wenn man Glück hat und welche sieht)...

Nebenbei etwas zu meiner Person,
ich bin Huyen Tran, 22 Jahre alt und mache eine Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin an der Universitätsmedizin Göttingen.
Schon zu Beginn der Ausbildung wurde uns mitgeteilt, dass die Möglichkeit besteht für 2 Monate ein Auslandspraktikum über Erasmus+ in Finnland oder Österreich zu absolvieren.
Sofort kam mir Finnland in den Sinn und kletterte bis nach ganz oben auf meiner Reiseliste. Der Grund dafür? - Wenn ich an die skandinavischen Länder denke, baumelt meine Seele irgendwo in der reinen, unberührten Natur und meine Gedanken nehmen ihren freien Lauf.
Die unbekannte Sprache und auch das international hoch anerkannte Gesundheitssystem in Finnland zehrten an meiner Neugierde.
Ich konnte es kaum erwarten eine neue Kultur in einem Land kennenzulernen, in dem Wälder und Seen nicht wegzudenken sind.
Und somit nahm auch alles seinen Lauf…und ich hatte das Glück eine der Auserwählten zu sein, womit der Berg an zahlreichen Papierformularen auf Englisch und Deutsch in Angriff genommen werden musste.
Ich bewarb mich an der University of Applied Sciences in Turku (TUAS) und wurde glücklicherweise angenommen.
Nach der Zusage aus Turku, habe ich mich für das Stipendium über Erasmus+ in Hannover beworben und wurde auch hier zu meiner Erleichterung angenommen.
Durch die Finnland- Vorgänger der letzten Jahre, bekamen wir viele Informationen und Tipps zur weiteren Planung unserer Reise.
Sehr empfehlenswert ist es, vor Beginn der Reise einen Sprachkurs auf finnisch zu machen, um nicht völlig im kalten Regen dazustehen.
Weitere vier Auszubildende aus meinem Jahrgang durften mit nach Finnland und nahmen mit mir an einem Sprachkurs an der Volkshochschule in Göttingen (VHS) teil. Zu unserem Glück war unsere Finnischlehrerin sehr engagiert und bemüht darin uns neben der Sprache auch etwas Landeskunde zu vermitteln.
Durch sie haben wir auch verschiedene Reiseempfehlungen und Internetlinks bekommen, um in unserer Planung weiterzukommen (auch hinsichtlich der Wohnung).
Unsere Wohnung liegt in der Nähe von Harritu und ist mit dem Bus ca. 15 Minuten vom Kaupatorri (Hauptmarktplatz im Zentrum) entfernt. Die Busverbindung in Turku ist ziemlich gut ausgebaut, weshalb man alle Orte bequem mit dem Bus erreichen kann.

Um nochmal auf die Vorbereitung zurückzukommen, unseren Flug haben wir relativ zeitgleich mit der Wohnung zusammen gebucht.
Am besten ist es, wenn ihr so früh wie möglich nach Flügen Ausschau haltet. Günstige Flüge bekommt man von Berlin-Tegel nach Helsinki (ab ca. 100 Euro ohne Gepäck). Knapp 200 Euro haben wir für unseren Hin- und Rückflug bezahlt.

Am Freitag, den 24.03.2017 begann die Reise in der Nacht mit dem Auto zum Berliner Flughafen, wo unser Flieger dann am Samstagmorgen startete.
Voller Vorfreude, aber auch ziemlich müde von der schlaflosen Nacht stürzten wir uns in ein neues Abenteuer, um neue Erfahrungen zu sammeln und möglicherweise eine neue Seite an uns zu entdecken?

In Helsinki angekommen, machten wir uns auf den Weg zu dem in Deutschland bereits gebuchten Hostel, da wir uns vor der Reise dazu entschieden hatten, das Wochenende in Helsinki zu verbringen.
Helsinki ist wunderschön und durch die altertümlichen Bauten sehr zu empfehlen. Am Sonntagnachmittag sind wir dann mit dem Bus nach Turku gefahren (günstigster Fernbus: Onnibus - ca. 3-6 Euro von Helsinki nach Turku).

In Turku wurden wir dann freundlich von zwei unserer Tutoren empfangen und zu unserem Appartment gefahren. Jeder von uns hat einen Tutoren vor der Anreise nach Finnland zugewiesen bekommen, zu denen wir auch schon vorher über die sozialen Netzwerke Kontakt aufgenommen haben.
Meine Tutorin ist super lieb und sehr bemüht darin mir bei allen Fragen weiterzuhelfen. Diese hatte mich auch auf ein Starterpackage hingewiesen (beinhaltet Gardinen, Besteck, Bettwäsche etc.), das ich aber nicht in Anspruch genommen habe, da in unserer Wohnung alles vorhanden ist.
Apropo Wohnung..als wir dort angekommen sind haben unsere Tutoren nur geschmunzelt - so nach dem Motto: beschauliche und einfache Studentenwohnung, die ihr euch hier rausgesucht habt - und das auch zurecht. Eine kleine Wohnung, die für uns fünf ganz in Ordnung, aber eher für kurze Aufenthalte gedacht ist und wo wir alle erstmal unsere Putzlappen schwingen mussten - also nehmt euch Geschirrtücher, Putzlappen etc. für den Anfang mit!
Nach der ganzen Putzerei, dem Einrichten unserer Räume und dem Großeinkauf bei Lidl (günstigste Möglichkeit in Finnland Lebensmittel einzukaufen, da die Preise teilweise doppelt so hoch sind wie in Deutschland) wurden die kleinen Macken an der Wohnung ausgeblendet und wir haben den Abend entspannt und gemütlich ausklingen lassen.

Die erste Woche war unsere Orientierungswoche, in der wir einige organisatorische Dinge erledigen mussten, wie zum Beispiel die Besorgung der Busmonatskarte, die Untersuchung beim Betriebsarzt sowie die Besprechung unserer Einsatzorte für die kommenden Wochen. Wir hatten einige Treffen in der Turku University of Applied Sciences mit der internationalen Koordinatorin und der für uns zuständigen Lehrkraft, die uns mit ihrem charmanten und rasanten Fahrstil zum Betriebsarzt fuhr.
Dort wurde (neben den Untersuchungen in Deutschland) erneut ein MRSA Abstrich gemacht. Nach und nach war der organisatorische Teil erledigt und wir konnten mit unserer Reiseplanung für die nächsten Wochen starten.
Rauchwolken bildeten sich über meinen Kopf, als ich meine to-do-Liste in Finnland schrieb. Doch womit fängt man an, wenn es so unendlich viel zu sehen gibt?
Die Zeit vergeht sehr schnell und neben der Arbeit noch viel vom Land zu sehen beansprucht Motivation, Wanderlust und Geduld bei der Suche nach cottages, Flügen, Zügen, Mietwagen und und und… aber all das wird sich lohnen!

In der ersten Woche haben wir dann die freien Tage genutzt und sind mit der Nachtfähre von Turku nach Stockholm gereist, um diese wunderschöne Stadt für einen Tag zu erkunden. Neben dem günstigen Fährenpreis, gab es auch die Möglichkeit Tax free an Bord einzukaufen. Dort solltet ihr jedoch die Preise im Blick haben, da nicht alle Produkte unbedingt günstiger sind. Besonders beliebt ist die Fähre bei Studenten, da sie für wenig Geld ordentlich feiern können.

Kommen wir zum wesentlichen Merkmal Finnlands: Die Sauna.
Im Zusammenhang mit dem Saunaerlebnis gibt es viele Sitten und Bräuche, aber für die Finnen ist das Wichtigste, sich zu entspannen und dabei Körper und Seele zu reinigen. An den Saunamarathon, den die Finnen täglich abschwitzen, muss man sich erst langsam rantasten, um mithalten zu können. Ein Aufguss nach dem anderen und zwischendurch mal in den eiskalten See (2-3 Grad) springen, bringt den Kreislauf ziemlich in Schwung.
Im Winter herrschen hier frostige Temperaturen, die Seen sind zugefroren und die Bäume und Straßen weiss bedeckt. Klingt nach einem traumhaften Winterzauber oder nicht?
Zu dieser Zeit bietet es sich auf jeden Fall an nach Lappland zu reisen, Eisbaden zu gehen, eine Schneeschuhwanderung zu machen, Schlittschuhlaufen zu gehen oder beim Weihnachtsmann in Rovaniemi vorbeizuschauen - ihr merkt es selbst, es gibt zahlreiche Freizeitaktivitäten.

Nach der Orientierungswoche, ging es auch an die Arbeit und ich machte mich auf den Weg in das Universitätsklinikum Turku, in der Hoffnung die neurologische Station problemlos zu finden. Das T- Krankenhaus, in dem ich eingesetzt bin ist mit zwei weiteren Krankenhäusern über einen unterirdischen Tunnel verbunden, was das ganze nicht gerade unkomplizierter machte. Auf Station angekommen wurde ich freundlich von meiner zuständigen Tutorin empfangen und sehr gut eingewiesen. Sie war stets darin bemüht mir alles ausführlich auf Englisch zu erklären. Mit den anderen Kollegen gestaltete sich die Kommunikation eher schwierig, da viele nicht besonders gut Englisch sprechen konnten und sich auch nicht trauten.
Das selbe gilt für die Patienten, was zur Folge hatte, dass die Hände und Füße zum Einsatz kommen mussten, um überhaupt mit ihnen kommunizieren zu können.
Ein paar gebrochene finnische Sätze bekommt man hin, jedoch reicht es nicht aus, um sich tiefergehend zu unterhalten, was ich sehr schade finde.
Pflege beruht schließlich hauptsächlich auf Kommunikation, aber manchmal sagt ein Lächeln auch mehr als tausend Worte.
Nichtsdestotrotz macht die Arbeit auf Station sehr viel Spaß. Man lernt jeden Tag neue Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem Pflegealltag in Finnland und in Deutschland kennen. Auch spannend ist es, die Praxis im Stationsalltag des finnischen Gesundheitssystems zu erleben und viele hygienische Unterschiede zu beobachten. Der Personalschlüssel in Finnland ist deutlich höher als in Deutschland und auch der Bildungsweg für diesen Beruf unterscheidet sich vom deutschen System.

Für die restlichen Wochen stehen noch spannende und aufregende Sachen auf der Liste. Ausflüge nach Tampere, Tallinn, Sankt Petersburg sind in Planung. Nicht zu vergessen: Wanderungen in verschiedene Nationalparks um Turku und Helsinki herum sowie eine Woche in Lappland Schnee catchen oder halt Sonne und Natur tanken!
Wie ein kleines Kind freue ich mich auf die kleinen und großen Abenteuer, die vor der Tür stehen und kann jedem einzelnen nur empfehlen eine solche Chance wahrzunehmen und zu nutzen!
„Das Leben ist ein Krug voller Möglichkeiten, jeder Tag ist ein Glas, das wir füllen können, und jeder Augenblick ist ein kleiner Schluck, den wir genießen sollten.“

Nähdään pian! :)
Huyen




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Letzte Änderung: 29.06.2015