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Zwischenbericht Turku nursing exchange


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Verfasst am: 10. 04. 2017 [21:24]
Stephan
Dabei seit: 10.04.2017
Beiträge: 1
Zwischenbericht zum Auslandspraktikum in Finnland.

Aller Anfang ist schwer, sogar beim Schreiben eines Berichtes. Dieser Bericht startet, wie ich überhaupt darauf gekommen bin ein Praktikum in Finnland zu machen. Unsere Krankenpflegeschule pflegt schon seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit der Universität in
Turku, Finnland. Diesen Umstand verdanke ich die Möglichkeit eingeräumt bekommen zu haben für acht Wochen in einem für mich fremden Land ein Praktikum zu absolvieren.
Warum Finnland? Finnland ist ein faszinierendes Land, mit seiner rustikalen Natur, schlichten und freundlichen Mentalität und natürlich dem Wohnsitz des Weihnachtsmannes, zumindest an 364 Tagen im Jahr. Außerdem wird dem finnischen Gesundheitssystem nachgesagt, eines der besten der Welt zu sein. Grund um so mehr, für mich, als angehender Krankenpfleger einen Faible für dieses Land zu entwickeln.
Die Bewerbung an der Universität erfolgt über eine Internetseite, auf der man alle nötigen Unterlagen hochladen kann. Die Immatrikulationsseite ist sehr übersichtlich und selbsterklärend aufgebaut.
Als dann alle benötigten Unterlagen fristgerecht hochgeladen waren hieß es warten auf eine Zusage. Nachdem die sehnsüchtig erwartete Zusage dann per Email zugesandt wurde, kam sie in Begleitung mit einer Nachricht von unserer Koordinatorin vor Ort, Frau Taina Nordgren. Mit der Mail ging eine Excel Tabelle an alle Austauschstudenten, mit der Bitte sich für einen Termin für ein Interview via Skype einzutragen. Der Hintergrund des Interviews war die Überprüfung der Englisch-Kentnisse, da diese für die nächsten acht Wochen die Arbeitssprache sein würde. Nachdem auch diese Hürde erfolgreich überwunden war stand dem Praktikum nichts mehr im Wege.
Neben der Anmeldung an der Universität in Turku habe ich mich ebenfalls für ein Stipendium an der Universität in Hannover beworben. Alle dafür erforderlichen Informationen und Unterlagen konnte man sich auf der Webseite besorgen und wenn sich Fragen ergeben haben, konnte man sich jederzeit per Mail an die Mitarbeiter des Hochschuldezernates wídmen, die einem freundlich zu Rate standen.
Nachdem der schriftliche Teil absolviert war, ging es zu den ernsten Themen über. Wo schlafe ich und wie komme ich da überhaupt hin? Für den Flug haben wir uns mit einem Reisezentrum zusammengesetzt und vorher bereits im Internet nach Preisen geschaut, damit wir bereits eine ungefähre Vorstellung von den Preisen hatten und diese im Reisezentrum vorlegen konnten. Angereist sind wir dann mit dem Flugzeug von Berlin Tegel nach Helsinki und von Helsinki aus mit dem Onnibus nach Turku. Die Busverbindungen in Finnland sind sehr gut ausgebaut und Onnibus ist das finnische Äuqivalent zu MeinFernbus/Flixbus.
Für einzelne Personen gibt es die Möglichkeit in einem Studentenwohnheim ein Zimmer zu mieten. Einen Ansprechpartner dafür hat uns Frau Nordgren in einer Organisationsmail geschickt. In meinem Fall bin ich mit einer fünf köpfigen Gruppe unterwegs und wir wollten gerne zusammen bleiben und eine gemeinsame Unterkunft finden. Das hat sich als eine sehr schwierige Aufgabe herausgstellt. Es gibt nicht viele Wohnungen auf dem privaten Markt, die für einen Zeitraum von nur acht Wochen zur Verfügung stehen und noch weniger davon sind bezahlbar. Zum Eingewöhnen und Beantworten von Fragen haben wir alle einen studentischen Tutor zur Seite gesetellt bekommen, der per Mail mit uns Kontakt aufgenommen hat. Leider konnten uns unsere Tutoren in diesem Punkt auch nicht weiterhelfen.
Wie wir dann letztendlich zu einer Wohnung gekommen sind, erläutere ich gleich.
Zur Vorbereitung auf den Aufenthalt in Finnland haben wir an der Volkshochschule in Göttingen einen Finnischkurs gebucht. Neben der Sprache haben wir auch einiges über das Land und die Kultur gelernt und unsere Lehrerin war und ist uns eine große Hilfe bei der Organisation. Sie hat uns unter anderem finnische Seiten für den privaten Wohnungsmarkt vermittelt und so kamen wir zu einer Wohnung, die für Zeitarbeiter gedacht ist und etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum enfernt liegt.
Nachdem nun alles Organisatorische erledigt war hieß es Abwarten und Koffer packen.

Wir schreiben den 25. März 2017, sicher gelandet in einer anderen Zeitzone. Der Ort heißt Helsinki Flughafen. Allerdings ist dies nicht die einzige Stunde, die uns heute geklaut werden sollte, denn in der Nacht sollte die Zeitverschiebung uns noch eine weitere Stunde entreißen. Nichtsdestotrotz lassen wir uns den Tag nicht verderben und genießen das Ambiente der Stadt. Nachdem wir in unser Hostel eingecheckt haben, machen wir uns auf den Weg die Innenstadt zu erkunden. Auf unserem Weg zur Domkirche, oder Tuomiokirkko, wie es im Finnischen so schön heißt, kommen wir am Hafen und der eindrucksvollen orthodoxen Kirche vorbei. Wenige Straßen weiter, wird es aufeinmal sehr viel heller und ein großer Platz eröffnet sich vor uns, an dessen anderem Ende eine sehr breite Treppe hinauf zur strahlend weißen Domkirche führt. Einige Fotos später entschließen wir uns in die Tram 2 einzusteigen. Ihre Route ist wie eine Acht aufgebaut und fährt einmal quer durch Helsinki, wie eine Stadtrundfahrt, nur billiger.
Am nächsten morgen fährt uns ein Bus nach Turku, wo unsere Tutoren am Busbahnhof auf uns warten und uns einsammeln. Sie sind so freundlich uns zu unserer Bleibe für die nächsten acht Wochen zu fahren. Nachdem wir unsere Sachen abgestellt haben, unterbreiten uns unsere Tutoren ein Angebot, Einkaufen fahren? Na klar, auf jeden Fall! Ohne zu wissen, worauf sich unsere Tutoren da eingelassen haben, fahren wir los. Hier gibt es Lidl, hör ich auf einmal, also nichts wie hin. Eineinhalb Stunden später und nach langem Hin und Her kommen wir mit vollen Einkaufsbeuteln unter dem Arm wieder zu Hause an. Aus Dank, dass die Tutoren mit uns den längsten Einkauf ihres Lebens erlebt haben, laden wir sie zum Essen ein. Dem aufmerksamen Leser ist vermutlich aufgefallen, dass wir an einem Sonntag einkaufen fahren, was in Deutschland nicht üblich ist. Das ist in Finnland kein Problem, die Supermärkte haben hier an 7 Tagen in der Woche geöffnet. Vieles ist teurer als in Deutschland und so habe ich bereits vor Reisebeginn Sachen des alltäglichen Gebrauches in der Heimat gekauft. Darunter fallen zum Beispiel Müllbeutel, Schwämme, alles für die Körperpflege und weiteres. Als weiteren Tipp für alle Naschkatzen, Süßigkeiten sind in Finnland sehr teuer, also deckt euch schon in Deutschland damit ein, wenn ihr Geld sparen wollt.

Montag, der 27. März, das Praktikum beginnt. Wir haben einen Termin mit unserer Koordinatorin Frau Nordgren und treffen uns mit ihr in ihrem Büro. Wieder einmal heißt es einen Berg an Papieren zu bearbeiten. Schließlich ist alles erledigt und wir machen uns auf den Weg in Richtung Stadtzentrum, um uns eine Monatskarte für den Bus zu organisieren. Auf dem Weg ins Stadtzentrum sind wir ein weiteres Mal von der Hilfsbereitschaft und der Freundlichkeit der Finnen beeindruckt. Unser Busfahrer, der kein Wort von dem versteht was wir versuchen zu sagen steigt mit uns aus, schaut auf unsere Zettel, die wir in den Händen halten und gibt uns mit einer Handbewegung zu verstehen ihm zu folgen. Wir laufen mit ihm über den Platz des Kauppatori und er gibt uns zu verstehen, kein Englisch. Ich antworte ihm: Minä puhuun vähän suomea, ich spreche nur ein klein wenig Finnisch, worauf wir beide anfangen zu lachen, denn irgendwie verstehen wir uns ja doch. Beim Infocentre des Stadtverkehrs angekommen spricht er eine Dame am Schalter an und vermittelt uns an sie weiter. Um eine Monatskarte reicher machen wir uns auf das Stadtzentrum ein wenig näher zu erkunden.
Am nächsten Tag haben wir einen Termin bei einer weiteren Mitarbeiterin der Universität. Sie ist für die Vermittlung unserer Arbeitsplätze für die nächsten Wochen zuständig und gibt uns die nötigen Adressen und Namen der Kontaktpersonen. Den Rest der Woche nutzen wir um unseren Termin für den MRSA- Test wahrzunehmen, dessen negatives Ergebnis Grundvorraussetzung ist um hier im Krankenhaus arbeiten zu dürfen. Nachmittags treffen wir uns mit unseren Tutoren, besichtigen unsere Arbeitsplätze und tauschen uns bei einem Kaffee über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede unserer Arbeit und natürlich auch über mögliche Freizeitaktivitäten aus. Da ist die Partyfähre nach Schweden, erzählen uns unsere Tutoren begeistert, das muss man erlebt haben!
Zurück in unserer Unterkunft schauen wir uns diese Schiffsreise einmal genauer an. Der Anbieter heißt VikingLine und die Fahrt von Turku nach Stockholm und zurück ist schnell gebucht. Wir schreiben bereits Donnerstagabend und warten am Hafen darauf, unser Schiff betreten zu können. Das Ziel lautet Stockholm. Nachdem wir das Schiff betreten und uns zurechtgefunden haben, nutzen wir das nächtliche Angebot des Schiffes aus, bis wir uns schließlich für eine kleine Mütze voll Schlaf in unsere Kojen zurückziehen, um am nächsten Morgen in einem anderen Land aufzuwachen, Schweden. Wir haben den ganzen Tag Zeit die Stadt zu erkunden, denn unser Schiff zurück nach Turku legt erst am Abend wieder ab. Stockholm ist eine atemberaubende Stadt und als wir nach langer Suche endlich das Touristinfocenter gefunden haben, entschließen wir uns für eine Stadtrundfahrt um möglichst viel von der Stadt zu sehen und über sie zu erfahren. Das Hop on Hop off Prinzip erlaubt es uns zum einen am Schloss und zum anderen am Fotografiemuseum auszusteigen, um beide zu besichtigen.
Erschöpft von der kurzen Nacht und dem langen Tag, endet der Abend schließlich recht früh in den Kojen unserer Kabine, jedoch nicht bevor wir einer schwedischen Chorgruppe beim Karaoke singen gezeigt haben, was wir so drauf haben.
Es ist Samstagmorgen und wir sind zurück in unserer Unterkunft. Es ist kalt und es nieselt, das schlechteste Wetter, das wir in den ersten 14 Tagen hier in Finnland erleben sollten. Bei so einem Wetter treffen wir die einzig richtige Entscheidung, wir gehen in eine öffentliche Sauna. Wer in Finnland öffentliche Saunen besuchen möchte, der sollte seine Badehose nicht vergessen, denn der Besuch dieser, geht meistens nur mit Textilien einher.
In der Sauna angekommen, wärmen wir uns erst einmal ordentlich auf, bevor wir raus an die frische Luft gehen, den Steg zum Wasser entlang laufen und an seinem Ende vor einer Treppe ins kühle Nass stehen. 3°c Wassertemperatur, auch nach der Sauna noch echt kalt.
Unsere Ergebnisse des MRSA- Testes waren alle negativ und so stand unserem Start auf unseren Stationen nichts mehr im Weg.


Mein erster Einsatzort ist eine Rehabilitationseinrichtung und ich werde freundlich von meinen beiden Praxistutoren und dem Rest vom Team aufgenommen. Leider sprechen nur eine handvoll Krankenschwestern Englisch und so bin ich stark auf meine beiden Tutoren angewiesen. Innerhalb der ersten Woche bekomme ich einen guten Einblick in die Abläufe der Station und die Aufgaben der Krankenschwestern vermittelt. Mit meiner Praxistutorin tausche ich mich viel über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den Arbeiten und unserer beiden Gesundheitssysteme aus. Die Station ist mit ausreichend Personal ausgestattet, fast doppelt so viel, wie ich aus deutschen Verhältnissen gewohnt bin. Daraus ergibt sich, dass man viel mehr Zeit für die Versorgung der Patienten hat, ein Umstand den ich schmerzlich vermissen werde, wenn ich zurück in Deutschland sein werde.

Mein Dienstplan ist flexibel, mein Umfeld sehr freundlich und zuvorkommend und das Wetter zeigt sich auch von seiner besten Seite. Sonnenschein und 10°c. Ich freue mich auf die nächsten Wochen und meinen zweiten Einsatzort. Zu Walpurgis wird hier Vappu gefeiert. Ein Studentenfesttag, wo unzählige Menschen draußen auf den Straßen sind und dort den Tag verbringen, egal wie das Wetter auch sein mag. Es wird gequatscht, gegrillt und der Tag in vollen Zügen genossen. Ich freue mich schon darauf, das miterleben zu können und hoffe, dass das Wetter bis dahin weiter so gut mitspielt.



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Letzte Änderung: 29.06.2015