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Unbeantwortetes Thema

Zwischenbericht/ Utrecht_Amersfoort/ Niederlande


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Verfasst am: 05. 11. 2018 [23:59]
annkm
Dabei seit: 05.11.2018
Beiträge: 1
Hoi
Ich studiere an der Hochschule Hannover im 5.Semester Innenarchitektur, bin 22 Jahre alt und lebe seit Oktober 2018 im bunten Holland. Untergekommen bin ich in Amersfoort und arbeite Vollzeit in einem Architekturbüro in Utrecht.

DIE WOHNUNGSSUCHE__ verlief bei mir nicht nur schleppend sondern auch teuer. Es gibt leider kaum Internetseiten, auf denen man nicht für eine Anmeldung oder Kontaktaufnahme zum Vermieter_in blechen muss. Daher empfehle ich dir zunächst dein Glück auf Facebook zu versuchen. Mittlerweile gibt es für so gut wie jede holländische Stadt zahlreiche Gruppen. Bei mir hat es letztendlich auf kamernet.nl geklappt. Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass ab August/September der Wohnungsmarkt rapide schlechter wird, viele Betrüger unterwegs sind und Internationale Studenten_innen für kurze Zeiträume kaum erwünscht sind. Nachdem ich mich vom Traum in Utrecht zu leben verabschiedet und den Suchumkreis erweitert habe, nahm mich eine WG in Amersfoort auf. Ich lebe dort zusammen mit zwei Holländerinnen, wurde schon fleißig mit niederländischen Gewohnheiten, Kulinarik und sprachlichen Crashkursen vertraut gemacht. Mein Zimmer ist top möbliert und befindet sich nahe einer schönen Gracht, direkt in der Altstadt von Amersfoort. Auch Utrecht habe ich schon kennengelernt. Für mich persönlich das schönere Amsterdam. Hier ist alles weniger hektisch, mehr ''süß'', holländische Atmosphäre pur, voller zahlreicher und schöner Gebäude/Viertel sowie kleiner individueller Läden und Cafés. Ab und zu stöbere ich gerne durch Utrecht, bin inzwischen jedoch auch super zufrieden damit in Amersfoort zu leben- in einer kleinen aber feinen, typisch holländischen, gemütlichen und nie langweilig werdenden Stadt.

DAS ARCHITEKTURBÜRO __ in dem ich arbeite heißt ZECC. Wir sind zwei Praktikanten_innen, Architekten_innen (darunter auch die zwei Inhaber), Studenten_innen und technische sowie Interior Designer. Ich wurde hier von 19 lieben Charakteren vollkommen in die sogenannte ZECC family integriert. Alle Mitarbeiter_innen sprechen holländisch. Mit mir wird hauptsächlich auf Englisch kommuniziert, jedoch versuche ich mich in Gruppengesprächen auf Holländisch durchzuboxen. Das kommt zum einen gut an und bringt auch Spaß, da man als Deutschsprachige_r schnell in die niederländische Sprache rein kommt. Das Büro liegt nahe einem Kanal in einem alten Fabrikhallengebäude im Industriegebiet in Utrecht Zuilen. Die Gegend wird von teilweise Start –up-Unternehmen und sogar auch anderen Architekturbüros besiedelt. Daher hat sich mein Bedenken bezüglich einsamer Nachhausewege im Dunkeln schnell gelegt.
ZECC beschäftigt sich hauptsächlich mit öffentlichen Gebäuden, Wohnungsbauten, Transformationen und Innengestaltungen. Zurzeit habe ich zwei Projekte mit denen ich mich intensiv beschäftige, werde jedoch hier und da immer mal für andere Projekte eingesetzt. Meine Arbeitswoche gestaltet sich daher sehr vielseitig. Bisher arbeitete ich mit 2D als auch 3D Programmen, entwarf Visualisierungen, half beim Modellbau, besuchte Baustellen usw. Grundsätzlich bin ich froh über diese Vielfalt, sehne mich allerdings jedoch nach ein wenig mehr Rhythmus. Da ich nun aber erst die 5. Woche hier bin, vermute ich dass sich das noch einpendeln wird.
Jeden Mittag essen wir gemeinsam mit dem ganzen Team. Es gibt frisches Brot vom Bäcker, gesunde und besondere Brotaufstriche sowie Beilagen. Online einkaufen und Aufdecken tun wir Praktikanten_innen, beim Abdecken hilft dann aber jeder mit. Im Hintergrund läuft häufig gute Musik und dem Feierabend wird gelegentlich gerne mal mit Bier und Borrelnootjes entgegen gelacht. Generell ist die Atmosphäre hier sehr familiär, humorvoll und motivierend.

TIPPS __kann man sich vor allem bei Mitbewohner_innen holen, daher versuche dir eine nette WG zu angeln. // Bezahlen tut man in Holland so gut wie überall mit Karte. Es kommt vor, dass dein Bargeld abgelehnt wird. Für die Bedienung der Parkautomaten benötigt man meistens eine Kreditkarte und um beispielweise online zu bestellen oder Rücküberweisungen zu veranlassen (z.B. Abonnements für die OV – Chipkarten, OV Guthaben zurück buchen) brauch man so gut wie immer ein holländisches Bankkonto. // Achte genau auf die Fahrradständer und Beschilderung. Die Holländer wissen wie man Geld verdient- da ich meinen Drahtesel falsch geparkt hatte wurde er vom „Land‘‘ geklaut. Gegen ein Entgelt durfte ich ihn wieder abholen, nachdem ich ihn schick fotografiert und registriert auf einer Internetseite (https://www.verlorenofgevonden.nl) gefunden habe. Das Verrückte dabei, hätte meine Mitbewohnerin mir nach nicht von dieser Internetseite erzählt, würde ich heute noch denken mich hätte ein böser Mensch beklaut. // So viel teurer ist Holland dann doch nicht, es sei denn man gönnt sich immer Albert Heijn und Jumbo. Ich konsumiere überwiegend bei Hoogvliet, Aktion und Aldi und komme damit gut zurecht.Ein Käffchen trinken zu gehen ist hier eigentlich ähnlich teuer wir in deutschen urbanen Städten. // Für die Suche und Fahrauskunft öffentlicher Verkehrsmittel benutzt hier jeder die Applikation 9292. Super unkompliziert und praktisch.

MEIN LEBEN __in Holland ist ziemlich erfrischend. Ich bin ein neugieriger Mensch und schnupper gerne in andere Kulturen. Die Niederlande hat dafür genug auf Lager und lässt dich während deines Praktikums viel erleben. Gleich zu Beginn habe ich mir ein gebrauchtes Fahrrad gekauft. Das gehört zu holländischer Atmosphäre einfach dazu. Falls du kein günstiges Gebrauchtfahrrad findest, gibt es auch die Möglichkeit sich monatlich günstig ein Fahrrad zu mieten. Falls das für dich nichts ist, gibt es noch die öffentlichen Verkehrsmittel. Für 7,50 € wird man Besitzer_in der OV – Chipkarte, kann sein Guthaben immer wieder aufladen und sich durch ganz Holland und alle öffentliche Verkehrsinstanzen bewegen. Zur Arbeit brauche ich übrigens ca. eine halbe Stunde (Fahrrad bis HBF Amersfoort - Zug nach HBF Utrecht- Zug nach Utrecht Zuilen. Für mich bedeutet das langsam wach zu werden und mit Musik aus dem Fenster zu schauen, also kein Problem.) Schau dich auf jeden Fall auch in deiner Umgebung um, durch die Tipps meiner Kollegen_innen und WG habe ich schon viel Tolles gesehen. Es gibt hier Dünenwälder, Kanäle in der Natur sowie tolle verborgene Orte, Pubs /Cafés, Märkte und Co.

Mal woanders zu leben ist immer eine große Sammlung an neuen besonderen Momenten und Erfahrungen. Nach 5 Wochen habe ich davon bereits viele machen können und wünsche dir das auch für dein Abenteuer.

Besten Gruß, Ann-K.



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Letzte Änderung: 29.06.2015