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Unbeantwortetes Thema

Wale, Plastik und die italienische Kultur…


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Verfasst am: 19. 05. 2019 [13:32]
Julika
Dabei seit: 19.05.2019
Beiträge: 1
Ciao a tutti,

wusstet ihr, welche Meereslebewesen abgesehen von Fischen am längsten den Atem anhalten können? Cuvier-Schnabelwale! Sie können über zwei Stunden und fast drei km tief tauchen. Über diese Art ist bisher sehr wenig bekannt, da sie auf dem Meer schwer zu finden und zu identifizieren sind. Außerdem verkompliziert ihre scheue Art die Erforschung. In den nächsten Monaten habe ich das Glück, mich genauer mit diesen Tieren beschäftigen zu dürfen.

Ich heiße Julika und studiere im zweiten Semester den Masterstudiengang Marine Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg. Seit ein paar Wochen lebe ich in Savona (Norditalien) und mache ein Praktikum bei der CIMA Research Foundation, einer privaten gemeinnützigen Forschungsorganisation. Sie hat sich auf die Förderung von Wissenschaft und Technik in der Umwelt spezialisiert und ich arbeite in der Abteilung Marine Ökosysteme.

Die Ausschreibung für das Praktikum habe ich im Internet gefunden. Es war eine aufwändige Suche, da vielen Instituten, die ich angeschrieben habe, keine Forschungsgelder zur Verfügung standen. Nach dem Bewerbungsgespräch über Skype und der Zusage musste ich Einiges organisieren: Alle Formalitäten mit meiner Universität abklären, den Erasmus-Antrag stellen, Flüge buchen, eine Unterkunft finden (bei der Suche hat mir meine Mentorin von CIMA geholfen), eine Auslandskrankenversicherung abschließen, die Briefwahl beantragen und so weiter... Aber danach konnte es endlich losgehen!

Nach einem langen Anreisetag begrüßten mich mein Vermieter und seine Frau sehr herzlich und brachten mir einen Kuchen zum Einzug vorbei. Außerdem stellten sie mir sofort einige gleichaltrige Nachbarn vor, sodass ich schon vor meinem ersten Arbeitstag die ersten Kontakte knüpfen konnte. Das Vermieterehepaar kann wie die meisten Einheimischen nur Italienisch, aber sie erklären alles mit einer Engelsgeduld, sodass ich von Anfang an das Meiste verstanden habe. Mittlerweile kann ich ihnen auch ein wenig auf Italienisch antworten.

Meine Arbeitskollegen sind ebenfalls alle sehr herzlich. Dadurch dass das Team international ist, wird vor allem englisch gesprochen. Ich wurde bereits mit verschiedenen Programmen vertraut gemacht und habe Zeit bekommen, mich in die Literatur einzulesen. Zum Training für die Datenerhebung bin ich mit Whale-Watching-Unternehmen herausgefahren. Meine Einarbeitungsphase wurde wirklich perfekt organisiert, damit ich alles bis zur nächsten Woche beherrsche. Denn ab dann werde ich für einen Monat auf dem Forschungskatamaran sein, um die Verteilung von Plastik im Mittelmeer, sowie dessen Anreicherung in Meeressäugern zu untersuchen. Ab Juli werde ich immer wieder jeweils zwei bis vier Tage herausfahren, um Cuvier-Schnabelwale zu besendern und zu fotografieren. Jedes Tier hat eine individuelle Rückenflosse mit unterschiedlichen Narben und kann dadurch wiedererkannt werden. So sind Rückschlüsse auf beispielsweise die Altersstruktur in einer Gemeinschaft möglich. Anschließend werde ich die Schnabelwal-Daten auswerten und einen Bericht verfassen, bevor ich mich im September noch einmal mit der Plastikverteilung im Mittelmeer beschäftige und es im Oktober zurück nach Deutschland geht.

Das Auslandspraktikum gefällt mir bisher großartig! Ich konnte schnell Anschluss finden und bin nach der Arbeit oft noch verabredet. Hier kommt mir, denke ich, auch die offene und herzliche italienische Lebensart zugute. Ich versuche, mir jedes Wochenende eine andere Ecke Norditaliens anzusehen (Genua, Nizza, Turin und Mailand sind beispielsweise sehr gut mit dem Zug erreichbar). Außerdem freue ich mich, so schnell erste Erfolge in der italienischen Sprache erzielt zu haben. Die Einarbeitungphase verlief reibungslos und nun bin ich gespannt, wie es sein wird, mit zwölf Leuten einen Monat auf engstem Raum zu verbringen. Da ich die meisten jedoch schon kenne und mich auf die Aufgaben an Board freue, denke ich, dass es eine einzigartige Erfahrung werden wird!

Cari saluti,
Julika



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Letzte Änderung: 29.06.2015